Kunstgeschichte

Architektur und Kunstgeschichte

Von der Renaissance bis zum Historismus

Die überwiegende Zahl der Markgrafenkirchen ist im Stil des Barock und des Rokoko gebaut und ausgestattet. Doch auch schon Kirchen aus der Zeit der Renaissance weisen wesentliche Merkmale von Markgrafenkirchen auf. Die Bayreuther Stadtkirche Heilig Dreifaltigkeit wurde als Hofkirche von Markgraf Christian nach dem Brand von 1605 nach alten Plänen wieder aufgebaut und zählt zur „Nachgotik“. Der Altar von 1615 und weitere Details zeigen die Formen der Renaissance, genauso wie die Kapelle von Schloss Callenberg bei Coburg aus dem Jahr 1614, wo sich der erste Kanzelaltar Frankens findet. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden das bildreiche Barock und das verspielte Rokoko durch den strengeren Klassizismus abgelöst (Bad Berneck, Lauenstein, Konradsreuth). Auch nach der Markgrafenzeit wurden Kirchen mit den gleichen Grundelementen gebaut (manchmal nach Protesten der Gemeinden): in Weißenstadt im Stil des Klassizismus, in Goldkronach der Neugotik (mit Emporen und Kanzelaltar), in Spielberg der Neuromanik. Die Stadtkirchen in Wunsiedel und Pegnitz wurden um 1900 nach barockem Vorbild neu errichtet.

Alte Bausubstanz erhalten

Viele Markgrafenkirchen entstanden durch Barockisierung gotischer Gotteshäuser. Gute erhaltene alte Bausubstanz wurde – auch aus Kostengründen – geschätzt und im Stil der Zeit und entsprechend lutherischer Theologie ausgestattet (Gesees, Himmelkron, Pilgramsreuth, Presseck, Untersteinach…). Auch bei baufälligen und teilweise zerstörten Kirchen nutzte man die noch zu gebrauchenden Bauteile, meist die massiven gotischen Türme und die Fundamente des Langhauses. Mancherorts sind dadurch auch noch romanische Bauteile erhalten geblieben. Bei Wiederverwendung des Turmes oder der Fundamente blieb die im Mittelalter auf dem Land vorherrschende Form der Chorturmkirche bestehen. Gotische Wandmalereien wurden mit Wandfarbe übermalt und so für die Nachwelt konserviert. Im 20. Jahrhundert konnten viele wieder freigelegt werden (Bayreuth-St. Johannis, Eckersdorf, Presseck…). Entsprechend dem evangelischen Gottesdienstverständnis wurden Chorturmkirchen meistens in Saalkirchen umgewandelt, indem der Kanzelaltar vor den Chorbogen rückte und der ehemalige Chorraum abgeteilt wurde.

Mittelalterliche Deckenmalerei in der Pfarrkirche Bayreuth, St. Johannis

Architekten und Baumeister

Markgrafenkirchen zeigen ihre manchmal üppige Schönheit vor allem im Innern. Hier hat die Verkündigung der christlichen Botschaft ihren Ort. Die Bilder, Figuren und der Schmuck stehen in ihrem Dienst. Das Äußere der Kirchen ist meist schlicht gehalten. Doch zeigt sich auch an vereinzeltem Bauschmuck und an den Proportionen, Gliederungen etc. die Kunst der Baumeister.

Von den markgräflichen Hofarchitekten sind besonders zu nennen:

Antonio della Porta
(Creußen, St. Jakobus; Himmelkron, Stiftskirche)

Gottfried von Gedeler
(Bayreuth, Ordenskirche)

Karl Philipp von Gontard
(Bindlach, St. Bartholomäus)

Josef Saint Pierre
(Bayreuth, Schlosskirche; Bayreuth, Spitalkirche)

Rudolf Heinrich Richter
(Bindlach, St. Bartholomäus)

Johann David Räntz
(Bayreuth, St. Johnannis)

Der Kulmbacher Schloss- und Stadtbaumeister Johann Georg Hoffmann übertraf – was den Kirchenbau betrifft – die Hofarchitekten. Er plante die Kirchen in Benk, Nemmersdorf, Neudrossenfeld, Seibelsdorf und Trebgast. Der Reichsgraf von Giech engagierte für den Neubau in Berndorf Johann Thomas Nissler, der vorher an der Basilika Vierzehnheiligen tätig war. Vielerorts übernahmen geschickte örtliche Maurer- und Zimmermeister die gesamte Planung, Bauleitung und Bauarbeiten – nachdem die Pläne durch die markgräflichen Baubehörden oder die Patronatsherren gut geheißen oder geändert waren.

Zu den Aufgaben des Architekten gehörte vermutlich auch die Planung der inneren Ausgestaltung: Emporen und Gestühl, die „Principalia“ (die „Hauptelemente“: Altar, Kanzel, Lesepult, Taufstein) und die Deckengestaltung mit ihren Figuren, Bildern und Symbolen – also das spezifische evangelisch-lutherische Programm. Dabei wird sich der „Designateur“ (Designer) mit dem zuständigen Theologen beraten haben oder seinen Vorgaben gefolgt sein, was die Inhalte betrifft. Viele Architekten und Künstler waren katholisch und setzten anderswo die theologischen Programme der katholischen Konfession um. Die Kirchengemeinden waren in der Auswahl der Architekten und Künstler nicht frei. Häufig mussten sie die (teuren) „Stars“ engagieren, die mit den Arbeiten an Schlössern oder anderen markgräflichen Bauten nicht ausgelastet waren – damals eine finanzielle Last, heute oft ein Glanzpunkt.

Im Gegensatz zu vielen im Äußeren schlicht gehaltenen Kirchen besitzt die Pfarrkirche St. Bartholomäus, Bindlach, reichen Bauschmuck

Stuck vom Allerfeinsten

Ausländische Künstler von europäischem Format waren in den Markgrafenkirchen vor allem als Stuckateure tätig. Die bedeutendsten stammten aus Lugano im Tessin, damals zu Italien gehörig.

Am Bayreuther Hof wirkten:

Bernardo Quadri
(Bayreuth, Ordenskirche, Creußen, St. Jakobus; Himmelkron, Stiftskirche; Thurnau, St. Laurentius)

Jeronimo Francesco Andreioli
(Aufsess, Schlosskirche; Bayreuth, Stiftskirche; Benk, St. Walburga; Trebgast, St. Johannes)

Giovanni Battista Pedrozzi
(Bayreuth, Schlosskirche; Neudrossenfeld, Dreifaltigkeitskirche)

Aus Bamberg stammt Hofstuckateuer Rudolf Albini (Bayreuth, Spitalkirche; Bindlach, St. Bartholomäus; Eckersdorf, St. Ägidius; Nemmersdorf, Unsere liebe Frau). Die Figuren, Blumengirlanden, Früchte und Ornamente Quadris – in Weiß gehalten – wirken kräftig und voller barocker Fülle. Andreioli verstand sich vor allem auf die sehr individuell wirkenden Gesichter. Bei Pedrozzi erscheinen die Blumen- und Früchtearrangements in ihrer rokoko-haften Zierlichkeit und Freiheit besonders gelungen – und die Tiere (Nach seinem Weggang aus Bayreuth fertigte er in Berlin große Tierfiguren aus Porzellan). Albini gilt als Meister des Muschelwerks.

Neben den Hofstuckateuren ist vor allem Nikolaus Feeg zu erwähnen (Melkendorf, St. Ägidius, Wirsberg, St. Johannis) mit seinen akkuraten hochbarocken symmetrischen Ornamenten.

Detail der Stuckdecke von J.F. Andreioli in der Stiftskirche Bayreuth

Bildhauer und –schnitzer im Familienbetrieb

Unter den Bildschnitzern bzw. Bildhauern, die die Markgrafenkirchen mit Altären und Kanzeln, mit Taufsteinen und –aufsätzen, mit Christusfiguren, Evangelisten und anderen Glaubenszeugen, mit Engeln und auch mit Grabsteinen ausgestattet haben, ist vor allem der aus Regensburg stammende Hofbildhauer Elias Räntz zu nennen. Seine Werke von hoher künstlerischer Qualität haben Verbreitung über das Markgraftum hinaus gefunden. Sein Sohn Johann David Räntz d. Ä. wirkte als Baumeister, der andere Sohn Johann Gabriel Räntz und der Enkel Johann David Räntz leiteten die Bildhauerwerkstatt, die neben Schlössern, öffentlichen und privaten Gebäuden auch viele Kirchen belieferte, seien es Holzschnitzereien oder Steinmetzarbeiten. Meisterwerke von Elias Räntz sind die Pfarrkirche Pilgramsreuth, der Taufsteinaufsatz der Bayreuther Ordenskirche oder der prachtvolle Herrschaftsstand in Thurnau.

Die Familie Räntz übernahmen das Erbe einer anderen fränkischen Bildhauerfamlilie: Aus Bad Windsheim stammten Georg Brenck d.Ä. und Georg Brenck d.J. Johann Brenck kam über Coburg nach Kulmbach, wo er zum Hofbildhauer aufstieg. Der Altar in Gesees trägt seinen Namenszug. Der Sohn Johann Georg Brenck führte in Kulmbach mit seinem Mitarbeiter Schlehdorn eine sehr erfolgreiche Werkstatt. Aus ihr gingen Kanzeln wie die von Heiligenstadt und Neudrossenfeld, Taufsteindeckel wie die von Rugendorf und Muggendorf oder Orgelprospekte hervor. Man arbeitete eng mit dem Kulmbacher Orgelbauer Tretscher zusammen.

Der ausdrucksstarke Mose an der Kanzel der Pfarrkirche Pilgramsreuth zeigt die Kunstfertigkeit von Elias Räntz.

In Hof und der ganzen Region wirkte die Bildhauerfamilie Knoll – Hauptvertreter: Johann Nikolaus Knoll und Wolfgang Adam Knoll – bis in den sächsischen und böhmischen Raum. Zu ihren Besonderheiten gehören die Taufengel, die es wohl nur hier gibt. In Röslau entstand der erste Kanzelaltar des Markgraftums, später auch die in Kirchgattendorf, Regnitzlosau, Schauenstein, Trogen und Wirsberg.

Andere Bildschnitzer, deren Werke über das rein Handwerkliche hinausreichen, sind Johann Caspar Fischer (Wonsees) und Johann Michael Doser (Klaussteinkapelle).

Ohne Farbe ging nichts: Fass-, Tafel-, Wand- und Deckenmaler

Maler waren in den Markgrafenkirchen an vielen verschiedenen Stellen tätig. Die Fassmaler fassten steinerne und vor allem hölzerne Gegenstände und Stuckarbeiten farblich. So ziemlich alles wurde bemalt bzw. vergoldet. Naturholz oder –stein galt als Armutszeugnis. Die Zunftordnung gestattete den Fassmalern auch, Bilder auf Altartafeln, Brüstungen oder Holzdecken zu malen, aber keinesfalls das Holzschnitzen. So wie den Bildschnitzern das Bemalen verboten war. Bekannter oder gar berühmter sind letztere geworden, teurer aber kamen die Maler – manchmal doppelt so teuer wie das Schnitzen. Aber die Maler mussten ja auch die Farben und das Blattgold einkaufen. Im 18. Jahrhundert wurden sie auch „peintre d´or“, Goldmaler, genannt.

Fassmaler wie der Bayreuther Johann Joachim Kolb (Wonsees) sind unbekannt geblieben, auch wenn ihre Namen in den Kirchenrechnungen genannt sind. Anders verhält es sich mit der Hofer Malerfamilie Lohe. Denn Heinrich Andreas Lohe und sein Sohn Heinrich Matthias Lohe brachten nicht nur die Holzschnitzereien der Familie Knoll zum Glänzen – im wahrsten Sinn: gern mischten sie den Farben Silberpulver bei, so dass sie metallisch glänzen, so wie das Silber und Gold selbst.

Nachdem der Vater die Kassettendecke der Hospitalkirche in Hof mit biblischen Szenen bemalt hatte, waren seine Bilder in der ganzen Region begehrt. Die Nachfahren führten die Tradition fort.

Zu den Markgrafenkirchen gehören einige dieser „Bilderkirchen“. An den Brüstungen der Emporen und/oder in den Feldern der Kassettendecke sind Szenen aus der Bibel (und nur aus der Bibel) dargestellt – manchmal mit Bildtiteln und den Namen der Stifter (was die Fähigkeit zum Lesen voraussetzt). In Mistelbach in guter Qualität (Elias und Friedrich Brendel, Joh. Peter Langheinrich), mancherorts recht einfach. Aber nicht der künstlerische Wert zählt, sondern die Verkündigung der biblischen Botschaft. In Presseck sind die gleichen Geschichten an die gotische Gewölbedecke gemalt. Solche Zyklen finden sich auch in Gesees, Kirchgattendorf, Marktleuthen, Mistelgau, Marlesreuth, Regnitzlosau, Rugendorf und Trogen. In der Ordenskirche Bayreuth sind die Bilder in die stuckierten Rahmen auf den Putz gemalt – barocke Bilderfülle im Dienst der Verkündigung.

Die Hospitalkirche in Hof besitzt die größte Anzahl von Bildern, bemalt sind die Brüstungen, die Decke und die Unterseiten der Emporen.

Große Deckengemälde zieren die Stuckdecken einiger Kirchen. Von den Künstlern ist vor allem der Hofmaler Ernst Wilhelm Wunder hervorzuheben, der auch in den Bayreuther Schlössern tätig war. Seine Himmelfahrtsdarstellungen in Bindlach und Neudrossenfeld sind gut erhalten. Ob die Deckenbilder in Weidenberg ihm zuzuschreiben sind, ist umstritten. In der Bayreuther Schlosskirche wurde die Himmelfahrt Christi übermalt und zerstört, das neue Bild aus dem Jahr 2019 ist einem „Wunder“ nachempfunden.

Der Dresdener Maler Johann Benjamin Müller, der sonst viel in Theatern tätig war, hielt sich nur kurz am Markgrafensitz auf und bemalte die Decke der Spitalkirche mit der Szene von der Berufung des Propheten Jesaja.
Der bis in jüngste Vergangenheit leere Deckenspiegel der Markgrafenkirche Seibelsdorf enthält jetzt das Bild „Gott-Partikel“ von Gerhard Mayer (2010).

Wertvolle Kunstwerke aus früherer Zeit

Von den gotischen Kunstwerken, die aus den jeweiligen Vorgängerkirchen übernommen wurden, sind besonders bedeutend:

Der Marien-Altar
in der Hospitalkirche Hof

Der Hertnid-Altar
in Hof, St. Lorenz

Der Grünewald-Altar
in Lindenhardt

Der Laurentius-Altar
in Wonsees

Gotische Wandmalereien finden sich in Bayreuth-St. Johannis, Eckersdorf, Gesees, Kirchgattendorf, Pilgramsreuth und Presseck.

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