Fürstenloge

Die adeligen Grundherren hatten in ihren Patronatskirchen ein eigenes Gestühl für den Gottesdienstbesuch („Patronatsloge“, auch „Fürstenstuhl“, “Herrschaftsstühle” oder „Adelstühle“). Dieses war von der übrigen Gemeinde abgegrenzt durch Wände und Glasfenster oder Holzgitter. Die Glasfenster waren auch nötig, wenn die Loge eigens beheizt war. Die besondere künstlerische Ausstattung entsprach dem Stand und Vermögen der Adeligen – und ihrem Selbstbewusstsein. Die Herrschaften in Thurnau ließen sich in der Laurentiuskirche die prunkvollste Patronatsloge in Oberfranken einbauen (Bild), mit Holzschnitzereien von Elias Räntz, der auch den Ofen kunstvoll verzierte. In Neudrossenfeld besitzt die Loge der Familie von Ellrodt wertvolle bemalte Ledertapeten.

Die Thurnauer Reichsgrafen von Giech konnten die Kirche über einen eigenen überdachten Zugang vom Schloss bequem erreichen. Auch sonst hatten die adeligen Familien ihre eigenen Eingänge und Treppen, so dass sie beim Kirchgang dem gemeinen Volk nicht begegneten. Markgraf Christian ließ an der Bayreuther Stadtkirche eigens das „Löwenportal“ und einen Anbau mit breiter Treppe anbauen. Wenn die Vorhänge zugezogen waren, wusste die Gemeinde nicht, ob der Fürst anwesend war. Trotzdem war die Herrschaft immer präsent, vor allem durch ihre Hoheitszeichen (Wappen, Initialen) z.B. auf dem Wandteppich an der Markgrafenloge der Bayreuther Ordenskirche. In der Regel lagen die Logen direkt gegenüber der Kanzel – und etwas höher als diese.

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