Kanzelaltar

Der Kanzelaltar stellt eine Besonderheit in lutherischen Kirchen und ein typisches Kennzeichen der Markgrafenkirchen dar (auch wenn nicht alle einen solchen besitzen). Hier ist die Kanzel in die Mitte des Altaraufbaus integriert. Damit kommt zum Ausdruck, dass die Verkündigung des Wortes Gottes im Zentrum des Gottesdienstes steht. Die Predigt und das Sakrament des Heiligen Abendmahls, das am Altar gefeiert wird, gehören eng zusammen. Wenn sich die Orgel noch darüber befindet, wird deutlich, dass auch die Kirchenmusik der Verkündigung dient.
(Bild: Kanzelaltar in der Pfarrkirche Trogen)

Der älteste Kanzelaltar steht in der Schlosskapelle des Schlosses Wilhelmsburg in Schmalkalden (Thüringen), erbaut 1585-1590. In Oberfranken besitzt die Schlosskapelle von Schloss Callenberg bei Coburg das älteste Exemplar (1648). Hier ist Kanzel mit ihrem seitlichen Aufgang hinter dem Altar platziert. In der Literatur wird der Kanzelaltar zuerst 1649 von Joseph Furttenbach d. Ä. in seinem architektonischen Lehrwerk „Kirchengebäw“ erwähnt. Bei diesem Typ ist die Kanzel von einem dahinter liegenden Raum, der Bibliothek, zugänglich. Furttenbach begründet den Kanzelaltar damit, dass von allen Plätzen der Kirche eine gute Sicht zwischen Pfarrer und Gottesdienstbesucher bestehen soll. Außerdem entspricht die mittige Anordnung der barocken Vorliebe für Symmetrie. Am häufigsten begegnet der „Retabel-Kanzelaltar“, bei dem die Kanzel in den Altaraufbau („Retabel“) eingebaut ist.

Im 19. Jahrhundert wurde der Kanzelaltar missverstanden, als würde die Predigt dem Sakrament übergeordnet und das Heilige Abendmahl „zu Füßen“ des Pfarrers gefeiert. Das „Eisenacher Regulativ“, eine Vorgabe für den Kirchenbau, sprach 1861 sogar ein Verbot aus. In vielen Kirchen wurde deshalb die Kanzel aus dem Altar heraus genommen und an ihren traditionellen Platz rechts am Chorbogen gestellt – was im 20. Jh. wie in Röslau z.T. wieder rückgängig gemacht wurde. Um die Erforschung des Kanzelaltars hat sich der oberfränkische Historiker Helmuth Meissner, Himmelkron, verdient gemacht.

Menü